Von Null auf Hundert

Faszination der Zahlen
Schon ziemlich früh hatten wir Menschen ein Problem: Wie viele Schafe sind das eigentlich? Wie weit ist es bis zur nächsten Höhle? Das Bedürfnis, Mengen zu erfassen, Tage zu zählen und Abgaben gerecht zu bestimmen, trieb unsere Vorfahren dazu, eines der mächtigsten Werkzeuge der Geschichte zu erfinden – die Zahl. Zahlen wurden zu einem Ordnungssystem, das half, die Wirklichkeit zu begreifen.
Doch Zahlen waren von Anfang an weit mehr als bloße Zählhilfen. Neben ihrem nüchternen Zahlenwert trugen sie stets auch einen symbolischen, mitunter heiligen Wert. In der Bibel ist zu lesen, Gott habe alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet, es gibt die Dreifaltigkeit, und apokalyptische Zahlen erzählen von der mystischen Kraft der Ziffern. Wohl alle Kulturen der Welt kennen heilige oder magische Zahlen.
Zahlen ordnen, aber sie erkennen auch. Was gezählt und geordnet wird, kann genau bestimmt werden – und was genau bestimmt werden kann, lässt sich begreifen, berechnen, vorhersagen. Proportionen definieren Schönheit, Kalender bändigen die Zeit, Zahlensysteme – vom babylonischen Sexagesimalsystem bis zu unserem Dezimalsystem – machten Zivilisation erst möglich. Die Erfindung der Null, die Idee, dass das Nichts eine Zahl sein kann, war wohl einer der genialsten Gedanken der Mathematikgeschichte. Und wer glaubt, Zahlen seien kalte, rationale Angelegenheiten, dem sei gesagt: Auch Douglas Adams wusste, dass die Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest schlicht 42 lautet.
Heute stecken Zahlen in jedem Computerchip, im genetischen Code des Lebens, in den Geheimnissen der Schöpfung.
Je mehr wir zählen, desto größer wird die Versuchung, alles auf Zahlen zu reduzieren. Algorithmen entscheiden heute, welche Nachrichten wir lesen, welchen Kredit wir bekommen, welchen Wert ein Menschenleben auf dem Versicherungsmarkt hat. Finanzmärkte rasen in Millisekunden durch Milliarden von Transaktionen – gesteuert von Formeln, die kaum jemand noch versteht. Die Zahl, einst Werkzeug des Menschen, ist zu einem mächtigen Herrn geworden. Und doch: Ohne Zahlen wären wir blind.
Diese Serie ist eine fotografische Hommage an die Zahlen und ans Zählen.






































































































































